Gedanken zur Permakultur beim Projekt in Paraguay

Es entsteht eine Permakultur-Landschaft, in der
erstklassige Nahrung für Menschen gedeiht
UND
die regionale Biodiversität Raum und artgerechte Lebensbedingungen
für Fortbestand und natürliche Entwicklung vorfindet.

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Kennzeichen der Permakultur bei Paraiso Verde sind
– eine wohl strukturierte Landschaft, eingebettet in die gewachsene Landschaftsmorphologie,
– das Gedeihen von Pflanzen und Tieren auf liebevoll bereiteten und gepflegten Böden in Kooperation mit den Menschen,
– die Erhaltung und Förderung in aufbauender Wechselwirkung der regionalen der Pflanzen- und Tierwelt mit der Vielfalt der Garten- und Nutzpflanzen. Regionale Wildpflanzen ab Moos bis Baum bilden natürliche Bestandteile der Kulturen (Wildpflanzen dienen sehr, denn sie weisen häufig höhere Nährwerte i.w.S. auf als Kulturformen).

= Die im Projekt gepflegte Permakultur setzt, wo immer möglich, traditionelles Saat- und Pflanzgut ein. Am Projektort aus eigenen Kulturen erzeugtes Saatgut wird der Region und Interessierten zur Verfügung gestellt. Saat- und Pflanzgut wird auch direkt aus der Natur geworben, um Wildpflanzen im Nutzgarten zu erproben, und ggfs. heimisch und verwertbar zu machen. Dazu können der projekteigene Urwald und die angrenzende Naturlandschaft bzw. Naturschutzgebiete genutzt werden.

= Des Weiteren gehören dazu:
– Bereitstellung von Plätzen der Bodenbereitung und der Kompostierung – zur Gewinnung von Substraten, die auf die Anforderungen der Pflanzen abgestimmt sind. Im Projekt erfolgt die Kompostierung organischer Abfälle, sowie teilweise auch bei der Fäkal- und Urinentsorgung durch Komposttoiletten. Auf den Anastasia-Grundstücken ist das ausnahmslos der Fall. Die Technik ist langjährig als zivilisationstüchtig erprobt, und bereits einfachste Anlagen funktionieren (Haliotis Südportugal betreibt z.B. seit 2003 mittlerweile 3 Komposttoiletten).
– die Anlage von Wegen und Plätzen zu praktisch-einfacher Gartentätigkeit und Ernte sowie für begleitende Naturkunde, Lehre und Spiel ist in die Garten-Anlagen integriert. Alles möge jedem Alter und Interessengebiet zugute kommen.
– Bau und Betrieb von Garten- und Treibhäusern für spezielle Arten und Sorten, Nachzucht, Anbau etc. . Regionale Baumaterialien sollten bevorzugt werden. Der fachlich angeleitete Selbstbau innerhalb der Mitarbeitergruppe fördert die Gruppenbildung.
Bei der Anlage der Beete, Wege und sonstigen Einrichtungen wird auf die Einpassung in die natürliche Morphologie der Landschaft im Projektgebiet geachtet.
– die Anlage von Gewässern verschiedener Dimension erfolgt in naturnaher Gestaltung (u.a. in landschaftstypischer Dimensionierung mit natürlich-naturnahem Bewuchs und ggfs. Besatz mit einheimischen Fischarten der Region – sie bietet genug)
– Hügel-, Hoch- und andere bewährte sowie neue Beetformen
– die Anlage von Quartieren in Waldgarten-Struktur. Stichwort „Essbarer Wald“.
= Biodiversität erhalten und fördern. Für Pflanzen und Tiere ist in der Permakultur des Projekts gleichermaßen Platz. Zu letzteren zählen auch Weidetiere sowie andere Kulturformen, die seit langer Zeit die Menschen begleiten und gezüchtet wurden. Die im Projekt praktizierte Permakultur beherbergt daher auch „Nutztiere“, die in einer artgerechten, vorzeigbaren Form leben. Sie gehören zu den Ökosystemen der Erde seit Menschen wirken.

= Forschungs- und Entwicklungsbedarf sowie Potenzial:
In allen genannten Aspekten erlangt das Projekt innerhalb des Fachgebiets der Permakultur Modellhaftigkeit, und es bietet Ansporn für die Region, für das Gastland und darüber hinaus, vergleichbar pfleglich und nachhaltig als Nutzer mit der Natur zu kooperieren. Um Ideen auszuprobieren, auch wenn sie nach bisheriger Beobachtung nicht rundum „ökologisch“ erscheinen, bietet das Projekt Raum und beste Chancen.

= Handarbeit zählt zum höchsten Qualitätsanspruch des Projekts! Daher passt zum Projekt
– ein boden- und Anwender-freundlicher Geräte- und Maschinenpark (Motorbetriebenes Gerät möglichst in Akku-Ausführung, Solarenergie-Nutzung bei allen Quartieren), nach Möglichkeit Kupfer- oder verkupfertes Gartengerät (Hacken, Schaufeln etc.,)
– der zurückhaltende Einsatz schwerer Maschinen. Raupen/Bagger etc. – (vor allem in der Aufbauphase), z.B. bei der Anlage von Teichen oder Terrassen sowie Erdkellern, Wassergräben und bei Versorgungsleitungen.

Um den Zusammenklang der permakulturellen Nutzlandschaft mit der Natur sicher zu stellen, erfolgen Maßnahmen stets nach sorgfältiger vorheriger und begleitender Erkundung der vorhandenen Standortbedingungen sowie der Tier- und Pflanzenbesiedlung. Auch andernorts bereits erprobte Maßnahmen werden am Projektort erneut geprüft und dann angewendet, wenn ein ökosystemarer Einklang von Nutzung und begleitender=tragender Natur erreichbar ist. – Es kann nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass Permakultur wie von selbst auch der natürlichen Biodiversität Raum gibt. Dass dies erreicht werden kann, wird das Projekt zeigen. Die große Fläche begünstigt den angestrebten Erfolg! – Verfasser kennt es als tatsächlich erreichbar vom Haliotis-Projekt in Südportugal, wiewohl hier bisher nur 65ha zur Verfügung stehen).

Dr. Bernd Gerken